1.  Deutsche Rutenbaumeisterschaft in Handzell

 

Ein Bericht von Axel Falkenauer alias Mefo Schreck

Samstag 01. Oktober 2011.
Schon früh am Morgen geistern in Handzell seltsame Gestalten mit langen Stangen zwischen der Talstrasse und dem „Sportstadl“ umher. Neben den langen Stangen haben sie Tüten mit Kork, kleinen Metall-Ringen, Garnspulen, Lack und vielen Werkzeugen dabei, deren Sinn sich dem unbedarften Zuschauer nicht sofort erschliesst.
Sowohl aus den Dialekten bei den Gesprächen wenn diese Gestalten „konspirativ“ zusammenstehen als auch an den anwesenden KFZ-Kennzeichen erkennt der Zuschauer, dass hier auch ein paar „Saupreissn“  anwesend sind und sich angeregt über Dinge wie „Blanks“ (gesprochen „Blänks“) , „fast Taper Action“ , „Flor-Kork“, „SIC-Ringe“, „Aero-Comfort-Rollenhalter“ und für den Laien ähnliche unverständliche Begriffe unterhalten.
Tatsächlich sind zu diesem Treffen am Vortag sogar Leute bis aus dem Münsterland und dem Ruhrpott angereist und haben dabei kaum einen Stau ausgelassen. Was trieb diese Leute alle nach Handzell?
Und mittendrin in dieser Traube von Menschen ist Karl Bartsch, der Leiter der Rutenbau-Lehrwerkstatt (www.rutenbau.eu ) in Handzell.
Dadurch lüftet sich langsam das Geheimnis um diese Leute. Es handelt sich bei diesem Treffen um eine bei den Anwesenden inzwischen liebgewordene Veranstaltung, die im Oktober 2009 ihren Anfang nahm. Aus einer Idee im Rutenbauforum (www.rutenbauforum.de)  entstand damals das „Rutenbauer-Treffen“, bei dem die Rutenbauer aus ganz Deutschland die Gelegenheit bekamen, ihr Können zu demonstrieren in Sachen Angelrutenbau.
Kurzer Exkurs: Was sind nun Rutenbauer? Rutenbauer sind individualistisch veranlagte Fischer, die auf der Suche nach der für sie perfekten Angelrute in dem Angebot der vielen Herstellerfirmen nicht das für ihre Ansprüche passende Gerät finden und sich somit entschieden haben, sich ihre perfekte Angelrute selbst zu bauen.
Damit bei diesem Rutenbauwettbewerb jeder den gleichen Ausgangspunkt hat und somit Ergebnisse vergleichbar sind, wurde schon 2009 entschieden, dass alle Teilnehmer den gleichen Ruten-Rohling (in der Fachsprache „Blank“) als Ausgangspunkt haben sollten. Da kam dann spätestens Karl Bartsch ins Spiel, der über seine Kontakte exklusiv nur für diesen Wettbewerb eine Serie von 50 Blanks auflegen ließ.
Schon in 2009 und 2010 war dieser Wettbewerb ein voller Erfolg mit vielen Teilnehmern aus allen Teilen Deutschlands, die sich dann bei dem Treffen nicht nur von der hohen handwerklichen Kunst beim Aufbau und der optischen Gestaltung der Wettbewerbsruten überzeugen konnten sondern auch fachsimpeln konnten „ bis der Arzt kam“. Aus diesen Gesprächen sind inzwischen quer durch die Republik Freundschaften entstanden und man freut sich wenn man bei diesem Treffen endlich wieder einige Gesichter aus der Gilde der „positiv Verrückten“ (so lautet das Credo der Rutenbauer) trifft.
Auch für 2011 wurden schon Anfang des Jahres früh die Weichen gestellt für dieses Treffen. Allerdings mit einem kleinen aber entscheidenden Unterschied. Außer dem allgemeinen Rutenbauwettbewerb, bei dem die Teilnehmer mehrere Monate vor dem Treffen ihren Rohling/Blank  zur freien Gestaltung zugesandt bekamen, sollte dieses Mal auch die „1. Freie Deutsche Meisterschaft“ ausgetragen werden. Der Unterschied zum allgemeinen Rutenbauwettbewerb bestand darin, dass die zu beurteilende Rute an diesem 01. Oktober vor den Augen der Zuschauer unter Zeitdruck (Zeitraum 9-17 Uhr) zu entstehen hatte. Kein leichtes Unterfangen, da beim Rutenbau neben technischem Know-How hohe handwerkliche Präzision und eben auch ein wenig Fantasie in der optischen Gestaltung der Rute gefragt sind. So ergab es sich, dass bei der Deutschen Meisterschaft auch weniger Teilnehmer waren als bei dem offenen Rutenbauwettbewerb, bei dem man im Vorfeld Zeit hatte seine Rute zu gestalten und zu bauen.
Unverdrossen machten sich die Teilnehmer der Meisterschaft um 9 Uhr ans Werk, nachdem sie vorher in der Rutenbauwerkstatt von Karl Bartsch die Rohlinge/Blanks in Empfang genommen und sich dort mit allen weiteren Bauteilen für ihr „Meisterstück“ eingedeckt hatten.
Während die Meisterschaftsteilnehmer nun hochkonzentriert anfingen Korkstück auszubohren, Ringtabellen für die Platzierung der Rutenringe zu entwerfen usw., hatten die anderen Teilnehmer des Treffens nun bei traumhaften Wetter die Zeit zu fachsimpeln, den Meisterschaftsteilnehmern über die Schulter zu schauen, deren handwerklich Fähigkeiten vor Ort zu beurteilen und eben auch die zur Schau gestellten Werke des offenen Rutenbauerwettbewerbs zu begutachten.
Und was konnte man dort nicht alles bestaunen! Schon früh wurde klar, dass den Juroren, die diese Werke beurteilen & bewerten sollten, kein leichtes Los zufiel. Was hier zur Schau stand, hatte ein extrem hohes Niveau. Da waren Rollenhalter, die aus Walnussmaserholz selbst gedreht und gefräst wurden. Da gab es Griffe die aus Kohlefasermatten aufgebaut und laminiert worden waren, in höchster Präzision lackierte Blanks, aus Garn gewebte Bilder auf den Ruten, Beschriftungen aus Echtgold und sogar mit Perlrochenhaut bezogene Griffe. Es war erstaunlich wie vielgestaltig das Ergebnis aus dem gleichen Rohling/Blank sein konnte und auf welch hohem handwerklichem, ja fast künstlerischem Niveau die Ausstellungs-Ruten waren.
Dies wurde auch vom „Stargast“ Ian Collins bestätigt. Der Brite Ian Collins ist ein wenig die „graue Eminenz“ im deutschen Rutenbau, er ist Hauptimporteur von Blanks vieler namhafter britischer, neuseeländischer, amerikanischer und fernöstlicher Hersteller und der weiteren Rutenbaukomponenten wie Rollenhalter, Ringe etc. Durch seine internationalen Kontakte hat er natürlich schon Vieles zum Thema Rutenbau gesehen und war voll des Lobes über die ausgestellten Stücke. Natürlich war wegen seiner Erfahrung auch zum Juror bestellt worden und war teilweise zusammen mit den beiden anderen  Juroren (Melanie Bartsch und Jens Zimpel) ein wenig verzweifelt bei dem schweren Unterfangen nun eine Rangfolge der Werke festzulegen.
Zum Mittagessen trafen alle sich nun wieder im Handzeller Sportstadl und auch die Teilnehmer der deutschen Meisterschaft hatten nun kurz eine Verschnaufpause, um sich an Leberkäs‘ und Brötchen gütlich zu tun und ein wenig mit den anderen Anwesenden zu fachsimpeln. Dabei ging es natürlich nicht nur um Rutenbau sondern auch um das „eigentliche“ Hobby,  die Fischerei. Man tauschte Erlebnisse am „Hausgewässer“ aus, unterhielt sich über Naturschutz-Themen als auch über schöne Urlaubsreisen.
Die engagierten Petrijünger sind nämlich aus gesundem Eigennutz auch engagierte Umweltschützer, ohne deren Einsatz viele Gewässer in einem traurigen Zustand wären. Auch sind sie bereit für Ihre Passion, für den „Fisch des Lebens“ weit zu reisen, um auf allen Kontinenten dieser Welt Ihre Köder auszuwerfen. So kreisten Gespräche über Nilbarsche in Afrika, Störe in Kanada und Dorsch, Lachs & Heilbutt in Norwegen.
Nach dem Mittagessen gingen nun die Teilnehmer der deutschen Meisterschaft wieder ans Werk, um bis 17 Uhr mit ihren Werken vor Ort fertig zu werden. Dem einen oder anderen stand da bis kurz vor 17 Uhr der Schweiß auf der Stirn aufgrund der gnadenlos vorrückenden Uhrzeit.
Pünktlich um 17 Uhr erfolgte der „Schlusspfiff“ und die Juroren gingen erneut an ihr schweres Werk. Gegen 18 Uhr sollte es dann ernst werden mit der Siegerehrung sowohl betreffs der deutschen Meisterschaft als auch beim offenen Wettbewerb.
Dann war es soweit, die Sieger waren gekürt und Karl Bartsch verkündete die knappen Ergebnisse.
Sieger im offenen Wettbewerb wurde Rudolf Pamler, dessen Rute speziell durch den schon erwähnten selbstgefrästen Rollenhalter aus Walnussmaserholz hervorstach, auf den Plätzen folgten  Oliver Felbel  und Reinhard mit ihren Werken.
Wieder stieg die Spannung, denn nun wurden in umgekehrter Reihenfolge die Platzierungen der Deutschen Meisterschaft verkündet. Jeder Anwesende hatte auch die Ruten begutachten können und sich seinen eigenen Favoriten ausgeschaut.
Platz 3 ging an Stefan Moser, Platz 2 an Martin Haas aus Rosenheim und 1. Deutscher Meister darf sich nun Rainer Schäfers aus Emsdetten im Münsterland nennen, zufälligerweise auch noch der Teilnehmer mit der weitesten Anfahrt zu diesem Event. Auf seinem Gesicht mischte sich ein wenig Unglaube mit riesiger Freude als Karl Bartsch ihm unter ehrlichem Applaus aller Anwesenden den Pokal übergab und als Begründung zum Gewinn unter anderem die Einführung einer neuen Technik im Rutenbau bei der farblichen Gestaltung des Blanks nannte, die sogenannte „Krakeliertechnik“. Mit dieser Technik können optisch sehr ansprechende und doch dezente farbliche Effekte gesetzt werden.
Die Freude der Gewinner aus beiden Wettbewerben steigerte sich noch als der Juror Ian Collins verkündete, dass den Siegern auch noch wertvolle Sachpreise aus seinem Programm zur Verfügung gestellt würden. Der aufrichtige Dank und Applaus aller Beteiligten für diese großzügigen Sachpreise war ihm gewiss.
Die Veranstaltung klang dann aus bei gemütlichem Beisammensein beim „Ochsnwirt“ in Pöttmes  (www.ochsnwirt.de ), bei dem auch viele Anwesende, die schon freitags angereist waren, ihr Quartier bezogen hatten.
Insgesamt war es für alle Beteiligten offensichtlich eine runde und gelungene Veranstaltung durch Karl Bartsch, so dass schon da fest stand, dass sich Handzell auch 2012 wieder auf die Ausrichtung einer Deutschen Meisterschaft im Rahmen des Rutenbauertreffens freuen darf.

 

Vielen Herzlichen Dank für diesen tollen Bericht sagt Karl mit seinem Team

Bilder von der deutschen Rutenbaumeisterschaft hier